Wann, wenn nicht jetzt...

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 © Foto: Johanna Link / Donna Magazin 

© Foto: Johanna Link / Donna Magazin 

The Concept of Lines: Richard Avedon, George Hoyningen-Huene, Irving Penn

Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung München

21. Februar bis 10. Mai 2018

 

Die Versicherungskammer Kulturstiftung München beginnt ihr Ausstellungsjahr mit einem wahren Highlight: Gezeigt werden Fotografien von Richard Avedon, George Hoyningen-Huene und Irving Penn aus der Sammlung F.C. Gundlach, mit deren Stifter das Kunstfoyer bereits Ausstellungen über die Fotografen Martin Munkacsi (2011) sowie Peter Keetman (2017) realisiert hat. Dabei handelt es sich ausnahmslos um herausragende Beispiele amerikanischer Fotografie, darunter Porträts, Akte und Körperbilder. 

Die insgesamt 70 Aufnahmen wurden von Sabine Schnakenberg, Mitarbeiterin der Deichtorhallen Hamburg und Sammlungskuratorin am Haus der Photographie mit besonderem Blick auf die Linienführung in der Bildkomposition ausgewählt. Die Linie wird hier als Gestaltungsprinzip begriffen, welche den Aufbau sowie den Eindruck entscheidend beeinflusst. Sichtbare oder gedachte Linien im Bild bedingen Dynamik, Bewegung, Ruhe oder Sachlichkeit und steigern die Bildwirkung. Dieser ausdrückliche Umgang mit dem Gestaltungsprinzip Linie verbindet die ansonsten recht unterschiedlichen Arbeiten der drei Fotografen. 

Von Irving Penn und Richard Avedon werden Modeaufnahmen gezeigt, die in den vierziger Jahren im Zusammenhang mit dem Aufkommen des New Looks von Christian Dior entstanden. Den Sammler und Fotografen F.C. Gundlach haben diese Arbeiten ebenso wie die Aufnahmen von George Hoyningen-Huene  in seinem eigenen Schaffen zeitlebens begleitet und beeinflusst. Alle drei  Fotografen haben zeitlebens für unterschiedliche Zeitschriften publiziert. Die Linienführung spielte gerade in diesem Zusammenhang  eine entscheidende Rolle für das Gesamtlayout und die Gestaltung der jeweiligen Seite.

George Hoyningen-Huene (1900-1968) ist chronologisch gesehen der erste in der Reihe der drei Fotografen. Er wuchs in Sankt Petersburg auf und zog auf der Flucht vor der Russischen Revolution zunächst nach London und 1920 nach Paris, wo er anfangs als Modezeichner für Harper´s Bazaar und später als Fotograf für die Vogue arbeitete. 1935 zog Hoyningen-Huene nach New York und war beinahe ausschließlich für Harper´s Bazaar tätig. 

In den zwanziger Jahren, als seine ersten Modenaufnahmen für die Vogue entstanden, war er beeinflusst von den klaren Linien der Neuen Sachlichkeit. Diese Eindrücke lässt er in seine Bilder einfließen und spielt geschickt mit Licht und Schatten,  um jede einzelne Linie herauszuarbeiten und für seine Komposition wesentlich zu machen. Hoyningen-Huene löste mit seinen innovativen Arbeiten eine neue Stilrichtung aus, die den bis dahin vorherrschenden piktorialistischen Stil, der eine symbolische Darstellung von Gemütszuständen oder moralischen Werten zu erzielen versuchte, ablehnte. Das Ergebnis waren kühle, sachliche und subtile Aufnahmen, die insbesondere Irving Penn (1917-2009) und Richard Avedon (1923-2004) als Fotografen der nachfolgenden Generation beeinflussten.

* Bild wurde entfernt, aufgrund von Vorgaben der Stiftung 

Penn und Avedon beginnen nach dem Zweiten Weltkrieg zu fotografieren. Irving  Penn fotografiert in erster Linie im Studio und behält damit die Kontrolle über das Licht, die Situation und über das jeweilige Model. Seine Aufnahmen sind bestimmt durch eine gefühlt weiche, jedoch stets scharf gezeichnete Linie.  

* Bild wurde entfernt, aufgrund von Vorgaben der Stiftung

Neben ethnographischen Studien, die sein Werk bestimmen, fertigt Penn für die amerikanische Vogue eine Serie von Porträts bekannter Persönlichkeiten aus Kunst, Film, Literatur und Musik, die er vor neutralem Hintergrund fotografiert. Für eine seiner ersten Porträtreihen positioniert er seine prominenten Modelle in einer Ecke aus spitzwinkeligen Stellwänden. Durch diese räumliche Begrenzung stellt Penn Nähe und Intimität zu den Personen vor seiner Kamera her, fordert sie heraus und verleitet sie zu ungewöhnlichen Posen.  Mit einer analogen Rolleiflex-Kamera ausgestattet fotografiert er in demselben abstrakten Raum auch Arbeiter, Handwerker, Kleingewerbetreibende und beweist damit seinen Feinsinn für die Bedeutsamkeit des Alltäglichen und die Schönheit des Unscheinbaren.

* Bild wurde entfernt, aufgrund von Vorgaben der Stiftung

 

Richard Avedons Fotografien sind gekennzeichnet von äußerst präzisen Linien. Er arbeitet vor allem bei den Porträts, die ab den sechziger Jahren entstehen, mit einer Großformatkamera. Dadurch entstehen Bilder, in denen die Charakteristika der Dargestellten wie mit einem Skalpell herausgearbeitet wirken, in den Umrisslinien präsentiert sich jeder einzelne Aspekt in seiner vollen Plastizität. Zu den herausragenden Serien Avedons zählt  American West. Im Zeitraum zwischen 1979 und 1984 fotografiert, erzählen die Aufnahmen  von der Kehrseite des amerikanischen Traumes, von den Enttäuschungen, den Verwundungen und den Härten des Lebens. Bei aller Brutalität der Perspektive, der Nähe, der Ärmlichkeit und des Drecks verlieren die Personen, egal ob Obdachloser, Junkie, Säufer oder Arbeiter auf dem Schlachthof nie ihre Würde.  Das Suggestive, die psychologische Intensität seiner Porträts erreicht Avedon dadurch, dass er auf alles Überflüssige verzichtet. Keine Lichtchoreographie, keine Gesten, kein Beiwerk. Avedon setzt allein auf die Spannung, die sich zwischen dem Fotografen und dem Porträtierten entwickelt: „Ich berühre etwas in Menschen und sie berühren etwas in mir, und dieser Augenblick ist das Bild.

Der im Jahr 1923 geborene Avedon brach 1942 sein Studium ab und verpflichtete sich bei der Handelsmarine der Vereinigten Staaten. Er wurde zunächst in der dortigen Bildstelle für die Erstellung von Kennkartenfotos der Mannschaften eingesetzt. Avedon bemerkt zu dieser Zeit: „Ich muss vielleicht hunderttausend verwirrte oder verständnislose Gesichter aufgenommen haben, bevor mir zum ersten Mal der Gedanke kam, dass ich ein Fotograf wurde.“ Als er sich Anfang der Vierzigerjahre bei Harper’s Bazaar bewirbt, enthält seine Mappe Porträts aus seiner Zeit bei der Handelsmarine, die die Aufmerksamkeit des Art Directors Alexey Brodovitch auf sich zogen. Als Fotograf für das Magazin wird Avedon in den kommenden Jahren stilprägend. 

In der Modefotografie gilt Avedon als bahnbrechender Erneuerer. Obgleich er eine Vielzahl von künstlerischen Projekten außerhalb der Modewelt realisiert hat, gründet sich sein Ruhm weitgehend auf die inzwischen legendären Mode- und Werbeaufnahmen. Er schuf wie ein Filmregisseur Szenen, in denen die Models wie Schauspieler agieren. Beginnend in den Vierzigerjahren in Paris kreiert Avedon Situationen, die wirken, als habe der Fotograf sie zufällig entdeckt, obgleich jede Szene bis ins letzte Detail von ihm inszeniert ist. 

Im Jahr 1959 erscheint der Fotoband Observations mit Texten von Truman Capote, dessen Layout wesentlich vom Stil des Magazins Harper’s Bazaar beeinflusst war. Das Buch enthält einige der prägnantesten Porträts Avedons, so zum Beispiel Aufnahmen von Charlie Chaplin, Marcel Duchamp, Carson McCullers, dem Herzog und der Herzogin von Kent sowie von Marilyn Monroe und Arthur Miller.

1966 wechselte er von Harper’s Bazaar zum Modemagazin Vogue. Ende der Sechzigerjahre und Anfang der Siebzigerjahre fotografierte er Demonstranten, die gegen den Vietnamkrieg in den USA protestierten sowie Militärbefehlshaber und Kriegsopfer in Vietnam und bewies damit abermals sein Interesse an gesellschaftlichen Zusammenhängen.

* Bild wurde entfernt, aufgrund von Vorgaben der Stiftung

Ein Besuch der Ausstellung im Kunstfoyer der Versicherungskammer, die von Februar bis Mai 2018 läuft, ist unbedingt lohnenswert. Anhand der Aufnahmen aus dem Werk dreier herausragender Fotografen des zwanzigsten Jahrhunderts lernt man Staunen über die Vielfalt der Linienführung, der unterschiedlichen Bildauffassungen und der mannigfachen Möglichkeiten, welche die Porträtfotografie bereithält.

 

Über die Autorin: 

Daniela Christmann ist promovierte Kunsthistorikerin und freie Autorin. Sie lebt mit ihrer Familie schon lange in München, reist gerne, liebt unterschätzte Kunst und Ausstellungen, die den Blick herausfordern.

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