Wann, wenn nicht jetzt...

... ist es Zeit für alles, was das Leben wirklich reicher macht? Für ein gelebtes, lässiges Selbstverständnis von Frauen, die sich mit + – 50 wohler, entspannter und besser fühlen als je zuvor – und genau das ausstrahlen. BeFifty ist ein Blog von drei dieser erfolgreichen Frauen – mit sehr konkreten statt allgemeinen Profi-Tipps und Themen rund um Fashion / Beauty / Travel.  Also los: Like to BeFifty.

Beate (Travel), Vanessa (Beauty) und Mischa (Fashion) (v.l.n.r.)

PETER LINDBERGH  FROM FASHION TO REALITY

PETER LINDBERGH FROM FASHION TO REALITY

 13. April – 31. August 2017

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München

Peter Lindbergh (*1944) zählt international zu den einflussreichsten Modefotografen der letzten 40 Jahre. Die spektakuläre Schau, die jetzt in München zu sehen ist und unter dem Titel A Different Vision on Fashion Photography von der Kunsthalle Rotterdam initiiert wurde und dort bereits zu sehen war, zeigt über 220 seiner Fotografien sowie weiteres bisher nie gezeigtes Material wie persönliche Notizen, Storyboards, Requisiten, Kontakt-Abzüge, Filme und Kameras.


Betritt man die Ausstellung, ist man überrascht über die Vertrautheit, die man angesichts der großformatigen Bilder zu spüren scheint. Unsere Generation der über Fünfzigjährigen ist mit diesen Fotos aufgewachsen, in Magazinen waren sie omnipräsent und prägten unseren Blick auf die Mode und auf ein sich stetig wandelndes Frauenbild. Lindbergh war einer der ersten, der den Fokus auf den Charakter und die innere Haltung der Frauen richtete, die er fotografierte. So entstanden Bilder von selbstbewussten oder auch verletzlichen Frauen, die sich ihres Körpers und Ihrer Persönlichkeit bewusst waren und sich der Mode nicht völlig unterordneten, sondern sie spielerisch und unbefangen präsentierten.
 In einem Interview mit Isabel Flower in der Zeitschrift Artforum (Mai 2016) beschrieb Lindbergh, wie die ersten dieser bahnbrechenden Fotos entstanden. 1987 bekam er einen Anruf von Alexander Liberman, dem Kreativdirektor des Verlags Condé Nast, der nicht verstand, weshalb Lindbergh nicht für die amerikanische Vogue arbeiten wollte:  

Lionel Vermeil, Helena Christensen & Marie-Sophie Wilson, Paris, 1990 Vogue Paris © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery) Jean Paul Gaultier, S/S 1991

Lionel Vermeil, Helena Christensen & Marie-Sophie Wilson, Paris, 1990
Vogue Paris
© Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery)
Jean Paul Gaultier, S/S 1991


“I told him, “I just can’t take the types of photographs of women that are in your magazine.” This was honest and not intended as a judgment. I simply felt uninspired by the ways women were being photographed. He said: “OK, show me what you mean, show me what kind of women you’re talking about.” I wanted a change from a formal, particularly styled, supposedly “perfect” woman—too concerned about social integration and acceptance—to a more outspoken and adventurous woman, in control of her own life and emancipated from masculine control. A woman who could speak for herself. “


Einige Monate nach dem Gespräch mit Liberman buchte Lindberg eine Gruppe von jungen, vielversprechenden Models und fotografierte sie an einem Strand in Santa Monica ohne viel Make-up und in einfachen weißen Hemden, was für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich war. Die Models waren Linda Evangelista, Christy Turlington, Tatjana Patitz und Karen Alexander. Anna Wintour, seit 1988 die Chefredakteurin der amerikanische Vogue, entdeckte die Fotos, die zunächst abgelehnt worden waren, in einer Schublade der Redaktion. Wintour veröffentlichte die Fotos, machte sie bekannt und eine neue Generation der Supermodels war geboren und prägte daraufhin die Wahrnehmung von Mode der nächsten fünfzehn Jahre.  

White Shirts: Estelle Léfebure, Karen Alexander, Rachel Williams, Linda Evangelista, Tatjana Patitz & Christy Turlington, Malibu, 1988 © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery)

White Shirts: Estelle Léfebure, Karen Alexander, Rachel Williams, Linda Evangelista, Tatjana Patitz & Christy Turlington, Malibu, 1988
© Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery)


Die Suche nach fotografischer Wahrhaftigkeit prägt das Schaffen von Lindbergh, sei es in den Gesichtern oder in den Körpern der Dargestellten. Sein Werk bestimmenPorträts, die zugleich Natürlichkeit und körperliche Präsenz ausstrahlen, wodurch er die Bildsprache der Mode revolutionierte und mit seinen meist schwarz-weißen, den scheinbar flüchtigen Moment einfangenden Fotografien einen neuen Realismus in die Modefotografie einführte.


Kurator Thierry-Maxime Loriot erhielt anlässlich der Ausstellung unbeschränkten Zugang zu Lindberghs persönlichem Archiv:  "[Die Ausstellung] beleuchtet die Bedeutung des Menschlichen in Lindberghs Werk. Sie verrät viel über seine Werte und über seine Einstellung zu Alter, Schönheit und Weiblichkeit sowie zu großen gesellschaftlichen Fragen. Dabei wird auch Lindberghs grenzenlose Kreativität und Imaginationskraft in seinen Fotos offensichtlich". Die Schau, die keiner Chronologie folgt, lädt die Besucher ein,  die Welt von Peter Lindbergh erkunden, seinen einmaligen Blick auf jene Themen kennen lernen, zu denen er immer wieder zurückkehrt. Unter dem Titel Ikonen sind im letzten Raum unter anderem Porträts von Hollywood-Stars wie Angelina Jolie, Brad Pitt, Dennis Hopper, Kate Winslet und Richard Gere zu sehen.

Kate Moss, 1994 Harper’s Bazaar © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery)


Kate Moss, 1994
Harper’s Bazaar
© Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery)


Anlässlich der Ausstellungseröffnung bekannte Lindbergh, dass er sich gar nicht vorstellen könne Fotos zu machen ohne eine Geschichte zu erzählen, denn darum gehe es doch beim Fotografieren - und um die Schönheit. Wenn man die Courage hat man selbst zu sein, dann ist man schön. Eine Einstellung, eine Haltung sei es, die einen guten Fotografen ausmache. „Selbst Modefotografen - auch wenn man es nicht annehmen sollte - haben eine Form von Verantwortung.” Die heutige Darstellung von Frauen in Medien kritisiert er folgendermaßen: „Es ist heute so vor den Hund gegangen, wie Frauen in Magazinen aussehen” - und das liege vor allem an den Bildbearbeitungsprogrammen, die jeden Hinweis auf ein gelebtes Leben auslöschen könnten. „Damit kann man jeden Menschen auf Null reduzieren.” Ob seine Einstellung und seine Arbeit darum Kunst seien, das könne er allerdings nicht sagen: „Ich weiß nicht, ob es Kunst ist. Mir reicht, wenn es ein Foto ist.”


In diesem Sinne ist es überaus lohnend einen Blick auf die Fotografien von Peter Lindbergh zu werfen, dabei die Mode-Ikonen unserer Jugend in Augenschein zu nehmen und zu prüfen, ob der Anspruch des Fotografen in einer Welt der steigenden medialen Übersättigung aufrecht zu halten ist.

 

Über die Autorin: 

Daniela Christmann ist promovierte Kunsthistorikerin und freie Autorin. Sie lebt mit ihrer Familie schon lange in München, reist gerne, liebt unterschätzte Kunst und Ausstellungen, die den Blick herausfordern.

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