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Wer, wenn nicht wir? Was Frauen um die 50 wirklich stark macht

 

Wie habe ich das nur früher gemacht? Ich denke nach über die Lebensphase plus/minus 50 und was sie so anders macht, so besonders. Ich frage mich, wie ich nur so lange Zeit ohne diese Anteilnahme, diese Empathie und dieses Netz mit doppeltem Boden um mich herum überleben konnte? Na ja, überleben natürlich schon. Aber längst nicht so hoch qualitativ, mit so viel Spaß und mit so viel entspannter Gelassenheit wie in den Jahren um die Fünfzig. Mit diesem „Netz“ meine ich nicht meine Ehe und noch weniger meine Familie. Ich meine das, was darüber hinaus geht: Die anderen Frauen um mich herum, die mein Leben besonders bereichern. Einige sind langjährige Freundinnen, Wegbegleiterinnen durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. Andere kenne ich erst ein paar Monate persönlich und manche sogar nur virtuell. Was uns aber alle verbindet, ist eine echte, ehrliche und tatsächlich gelebte Solidarität. Ein Vertrauen, eine Offenheit, eine Ehrlichkeit und eine Bereitschaft zur gegenseitigen Unterstützung, wie ich sie in dieser Form in den vergangenen Jahrzehnten nicht kannte. Ohne jeden Neid, ohne Konkurrenz- oder Vorteilsdenken. 

Mehr denn je bestätigt sich mein Lebensmotto: Die Erde ist rund, es kommt alles zurück:
Da unterstützt die eine die andere mit viel beruflichem Know-how auch mal ohne Bezahlung, weil die andere in ihrem Trennungsschmerz gerade ein bisschen zu viel Geld für dieses und jenes ausgegeben hat. Da recherchiert eine für die andere in Zeitnot die Schuhe, die diese unbedingt haben will und partout nicht findet. Da fliegen WhatsApp mit Empfehlungen für das beste Liebesspielzeug durch die Nacht, bevor der Mann beruflich wochenlang auf Reisen geht! Da spricht die eine mit der anderen Klartext, weil die gerade drauf und dran ist, kopflos ihr Leben für einen 20 Jahre jüngeren Kerl umzukrempeln, der sie nur ausnutzt! Da hilft die eine Kollegin der anderen am Wochenende bei einem Job, der sonst nicht zu schaffen wäre. Da fährt die eine 40 km, um die andere aus dem Krankenhaus nach Hause zu bringen. Und da diskutiert man stundenlang über alle noch so persönlichen Themen. Zum Beispiel, ob es nicht doch hilfreich wäre, diese Hyaluronfiller gegen Falten auszuprobieren – weil es inzwischen ja so einfach ist, bezahlbar und eventuell doch ein besseres Gefühl macht?! Oder ob das wie die Renovierung nur eines Zimmers in einem zunehmend maroden Haus wäre und wir dann doch lieber ohne Schönheitsdiktat in Würde altern wollen?! Da ..., da ..., da ... und, und, und.

Vielleicht gab es das ja früher auch schon. Vereinzelt. Ich empfinde diesen Zusammenhalt und diese gegenseitige Unterstützung in dieser Lebensphase gerade als besonders intensiv, ausgesprochen ehrlich und sehr schön. Es macht dieses zweifellose, gute Gefühl, nicht allein zu sein – egal was passiert. Wir halten zusammen und schaffen alles – gemeinsam. Wie in einer guten Ehe mit vielen, zu der jede hinzugibt, was sie gerade kann. 

Dass es derzeit – unabhängig vom Alter – nicht nur mir so geht, bestätigt auch Facebook-COO Sheryl Sandberg. Sie trifft mein Gefühl auf den Punkt, wenn sie sagt: "Wir sind Verbündete, nicht Rivalinnen" und hat mit prominenten Unterstützerinnen wie Selena Gomez, Megyn Kelly, Eva Longoria, Kerry Washington und unter dem Motto #LeanInTogether ein eindrucksvolles Video gedreht.

Wer ein solches Netz(werk) nicht hat, dem kann ich nur empfehlen, es sich zu suchen, es zu hegen und zu pflegen.  Denn es ist pure Lebensqualität – im denkbar wahrsten Sinne des Wortes.

 

 

Über die Autorin

Annette Jarosch ist freiberufliche Werbetexterin aus Herrsching am Ammersee und seit 18 Jahren selbstständig. Sie schreibt am liebsten emotionale Werbetexte, weil sie – wie viele Neurowissenschaftler – überzeugt ist, dass alles, was keine Emotionen erzeugt, für das Gehirn wertlos ist. www.annettejarosch.de

Quelle Bilder: Video #LearninTogether