Wann, wenn nicht jetzt...

... ist es Zeit für alles, was das Leben wirklich reicher macht? Für ein gelebtes, lässiges Selbstverständnis von Frauen, die sich mit + – 50 wohler, entspannter und besser fühlen als je zuvor – und genau das ausstrahlen. BeFifty ist ein Blog von drei dieser erfolgreichen Frauen – mit sehr konkreten statt allgemeinen Profi-Tipps und Themen rund um Fashion / Beauty / Travel.  Also los: Like to BeFifty.

Beate (Travel), Vanessa (Beauty) und Mischa (Fashion) (v.l.n.r.)

Warum mein Leben immer mehr zum Geheimnis wird


Da ist dieser ganz kleine Knacks im unteren Bereich meiner Wirbelsäule. Diese Stelle, die mir in den letzten Jahren immer öfter zu verstehen gibt, dass ich keine junge, tanzende Gazelle mehr bin.
Ich rutsche vorsichtig über die Kante in Richtung Fliesenboden hinab.
Dort kauernd, versuche ich erst den Schmerz genauer zu lokalisieren. Und dann aufzustehen.
Ich drücke mich an den verchromten Schubladengriffen vorsichtig nach oben und finde eine halbwegs schmerzfreie Position. Die ist allerdings weit entfernt von einem aufrechten Gang.
Als wolle mein Telefon mich loben, pfeift es drei Mal und verstummt.

Genervt und in gebückter Schonhaltung schielte ich auf das Display. Ein weiteres Update für Annalenas Pläne? Wo nur hatte ich meine Lesebrille hingelegt? Für den Moment musste der Schreiber sich mit einer Antwort gedulden, denn meine Priorität lag aktuell eindeutig mehr auf dem Finden eines Schmerzmittels, als auf der Suche meiner Lesebrille.

Außerdem funktionierten meine Augen noch ganz hervorragend. In die Ferne wenigstens. Arthur hatte mich erst neulich gefragt, warum ich für die Nähe die Schrift im Handy nicht einfach größer einstellte. DAS, wollte ich auf keinen Fall.
Meine Freundin Chrissy hatte mir glaubhaft dargelegt, dass das für unsere Umwelt ein deutliches Zeichen war, dass wir zu den Alten gehörten. Und sie hatte Recht behalten. Bei einem Abendessen mit Freunden in Auckland hatte ich einer Freundin von Chrissy beim Lesen einer Nachricht über die Schulter geschaut. Ja, ich weiß. Das macht man nicht. Ich schäme mich ja auch. Aber nur ein bisschen.
Die Freundin in meinem Alter hatte ziemlich viel scrollen müssen, um den Informationsgehalt dieser kurzen und nur wortweise dargestellten Nachricht in Gänze zu erfassen. Und ich hatte selbst zwei Meter neben ihr alles lesen können.
Einzige Alternative war demzufolge eine Lesebrille. Die konnte man schnell und heimlich rausziehen und wieder in der Tasche verschwinden lassen. Ich hatte mir meinen kleinen Helfer in Auckland für horrendes Geld gekauft. Denn nach einem Strandbesuch mit Chrissy hatte ich mir in Anbetracht eines heftigen Sonnenbrands eingestehen müssen, dass es an der Zeit dafür ist. Der Mensch ist ja prinzipiell nur zu Veränderungen bereit, wenn er große Visionen oder große Schmerzen hat. Bei mir traf Letzteres zu.

Bevor wir an den Strand fuhren hatte ich mich nach der morgendlichen Dusche mit Sonnenmilch gegen Ozonloch und Co. gewappnet. Dachte ich zumindest. Während ich abends in einer eiskalten Wanne jaulend meine Schmerzen linderte, hielt mir meine Freundin die vermeintliche Sonnenmilch-Flasche vor das Gesicht „Doro, da unten steht doch Hair-Conditioner. Nicht gesehen?“ Ich darf zu meiner Verteidigung anführen, dass in Neuseeland diese Bio-Produkte alle nahezu gleich aussehen. Braune Flasche, Organic Label und Spender.

Tags drauf hatte ich meine erste Lesebrille.

Und es ist ja nicht so, dass das Leben einem ausreichend Zeit gibt, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und abzufinden. So nach Schema F und eins nach dem anderen.
Ganz im Gegenteil. „Wenn es kommt, dann dicke“, wie mein Vater immer zu sagen pflegte. Recht hat er behalten und deshalb verschweige ich Arthur auch, dass ich seit ein paar Monaten in den Wechseljahren bin. Ich wüsste nicht, wie ich das anstellen soll, zwischen Gesprächen über Mathe-Noten oder seinen Erzählungen über schwierige Kunden.

Noch kann ich das alles gut kaschieren, weil mein Mann ja selten zu Hause ist und wir auch nicht mehr wie die Teenager täglich übereinander herfallen. Also schon ab und zu, aber lange nicht so viel, wie in unseren jungen Jahren.
Problematisch wird es, wenn ich diese Wallungen bekomme. Übrigens ein Thema, dass ich noch weniger im Bekanntenkreis anzusprechen wage, wie die pubertierenden Monster. Ich habe Angst davor, dass ich wieder allein bin mit meinem Gefühl. Und dass die anderen Frauen diese ganz neue Etappe in ihrem Leben als „neue Bewusstseinsebene wahrnehmen, die ganz tief innen ganz intensiv gespürt werden will“. Und die Frau annehmen und erfühlen muss. Ehrlich? Ich will weder erfühlen, noch muss ich zwingend eine neue Ebene in meinem Leben erfahren. Jedenfalls im Moment nicht. Und schon gar keine, die sich anfühlt, als hätte ich einen Tauchsieder verschluckt.

Meistens passiert das mit den Wallungen tagsüber, aber inzwischen häufen sich auch die Nächte, in denen unser Hightech-Wecker mit integriertem Thermometer nur noch frostige 12 Grad Schlafzimmer-Temperatur anzeigt. Und sich ein verräterischer Kondensstreifen beim Atmen in die Dunkelheit der Nacht verflüchtigt. Einer Nacht, in der ich wieder einmal wach liege und über mein Leben nachdenke.

Jetzt hatte ich nicht nur Wallungen, sondern zusätzlich noch Rückenschmerzen. Ich rief meinen Hausarzt an, der sogleich anbot, in der Pause bei mir vorbeizuschauen. Eine verschwommene „1“ erinnerte mich an die Nachricht, nachdem ich den Anruf beendet hatte.

Wo war diese verdammte Brille? Ich öffnete die Nachricht und konnte die Schrift mit einem Informationsgehalt von null erahnen. In gekrümmter Haltung stütze ich mich mit der linken Hand an der Arbeitsplatte ab und streckte die rechte Hand mit dem Telefon aus. Dann kniff ich die Augen zusammen in Erwartung einer weiteren Nachricht von K1 oder K2. Die Glabella-Falte zwischen meinen Augen muss die Tiefe eines Canyons angenommen haben. Was da in verschwommenen Buchstaben stand, konnte nur ein Traum sein!

Habt Ihr die ersten Teilen von Dorothee D. verpasst? Einfach hier klicken.

Bald geht es weiter mit "Was mein Kopfkino mit meinem Handy, Schnaps und Donald Trump zu tun hat"

Mischas Styling-Video: Abendlook

Mischas Styling-Video: Abendlook

Berlin - Hotel ReView Hotel de Rome Rocco Forte

Berlin - Hotel ReView Hotel de Rome Rocco Forte