Wann, wenn nicht jetzt...

... ist es Zeit für alles, was das Leben wirklich reicher macht? Für ein gelebtes, lässiges Selbstverständnis von Frauen, die sich mit + – 50 wohler, entspannter und besser fühlen als je zuvor – und genau das ausstrahlen. BeFifty ist der Blog von Beate, eine dieser erfolgreichen Frauen – mit sehr konkreten statt allgemeinen Profi-Tipps und Themen rund um Fashion / Beauty / Travel. Also los: Like to BeFifty.

 

 © Foto: Johanna Link / Donna Magazin 

© Foto: Johanna Link / Donna Magazin 

Warum schwarze Strümpfe nicht immer sexy sind

Ich spürte, wie sich der Airbus ganz leicht in die Kurve legte, und begann die vertraute Silhouette der Alpen am Horizont wahrzunehmen. In meinen Ohren krachte und knackte es und mein Magen rumorte wild. Ich war wohl die letzte Stunde wider Erwarten eingeschlafen und versuchte den Nebel in meinem Kopf weg zu gähnen. Meine linke Pobacke war ebenfalls eingeschlafen und meine grünsockigen Füße waren eiskalt.

Die Luft im Flieger war abgestanden und obwohl ich mich in Dubai am Flughafen geduscht hatte, fühlte ich mich im wahrsten Sinne nicht wohl in meiner Haut und schon gar nicht sauber. Ich hatte nur eine vage Vorstellung meiner Optik und wollte es auch keineswegs genauer wissen. Meine schwarzen nicht kurzen, aber auch nicht langen welligen Haare klebten trotz arabischer Duschrituale am Kopf und alles juckte ganz furchtbar. Die Frau auf dem Platz neben mir hatte ich bereits am Flughafen in Auckland gesehen, wo ich vor knapp 30 Stunden gestartet war. Die Müdigkeit hatte sie übermannt. Sie hing zusammengesackt in ihren 30 cm Economy. Ihr Kopf war zur Seite weggeknickt und ruhte auf meiner Schulter. Ein dünner Speichelfaden bahnte sich seinen Weg aus ihrem Mundwinkel und malte ein Muster auf meinem grauen Hoodie. Ich stöhnte leise auf und nahm mir vor, dass Teil sofort nach der Landung um die Hüften zu binden.

Wie gern hätte ich dem Juckreiz nachgegeben und wäre einfach aufgestanden. Hätte die Zehen in den grünen Airline-Socken gerollt, meine auf Kindergröße verkürzte Muskulatur gedehnt und wäre einfach ein paar Schritte durch den Gang gelaufen. Doch das würde warten müssen. Ich war nicht ganz unschuldig, die Enge in der Economy selbst gemacht, denn mein Mann Arthur hatte mir angeboten, Business zu buchen. Im Brustton der Überzeugung hatte ich von unzähligen Trips mit Interrail und schmalem Ticket-Budget meiner Jugend berichtet und mich fit gefühlt für die Holzklasse. Die freudige Erwartung auf das anstehende Abenteuer hatte mich übermütig werden lassen und das Adrenalin der Vorfreude hatte mich unbesiegbar und holzklassentauglich werden lassen.

Die Antithrombose-Strümpfe schnitten in meine Waden und juckten wie die Pest. Im Grunde gab es keine Stelle an mir, die nicht juckte oder taub war.  In einer halben Stunde würde ich in mein gutbürgerliches Leben zurückkehren. Allerdings ein paar Tage später, als ich ursprünglich geplant hatte ...Und das, obwohl Weihnachtszeit war. Wenn auch „gerade noch“, denn inzwischen stand der Jahreswechsel bereits vor der Tür.

Ich hatte mir kurzentschlossen eine Familienauszeit gegönnt und meine Freundin Chrissy in Neuseeland besucht. Ein Sturm und der eisige Atem der Antarktis hatten Chrissy und mich allerdings gezwungen, drei Tage länger als geplant in unserem Appartement nahe Wellington zu sitzen, Scrabble zu spielen und endlos zu quatschen. Kein Heimflug. Kein Weihnachtsfest. Keine Familie. Es fühlte sich komisch, aber zu meiner mütterlichen Schande, überhaupt nicht schlecht an. Weihnachten war für mich immer mit Stress verbunden und so prostete ich den Roaring Fourties im Stillen mit einem weiteren Glas Gin Tonic zu und bedankte mich beim Universum für drei Tage mehr mit Chrissy und 72 Stunden weniger Kochstress und Weihnachts-Familien-Marathon. Die Roaring Fourties waren die berühmten Stürme um den 40. Breitengrad, die auch im Sommer zu heftigen Unruhen bis hin zu Neuschnee auf der Südinsel führen konnte.

Auch wenn das alles etwas anders geplant war: Traurig war ich nicht. Das allerdings würde mein best behütetstes Geheimnis bleiben. Ich war gespannt, wie Arthur und meine Kinder Lucas und Annalena meine dreiwöchige Abwesenheit gemeistert und wie sie das Weihnachtsfest ohne mich verbracht hatten. Denn neben dem obligatorischen Brimbamborium, hatten meine drei schon ziemlich hohe Ansprüche an das Fest und die Geschenke und das nervte mich zugegebener Weise von Jahr zu Jahr mehr. Und das Gefühl völlig, entnervt zu sein, löste dann wieder ein schlechtes Gewissen aus, denn wir waren eigentlich die letzte Familie in München, die sich beklagen durfte. Ich hatte Weihnachten früher mehr als Fest der Entschleunigung erlebt. Kurze Tage mit Buch und Tee auf der Couch, intensive Telefonate mit Freunden und lange Spaziergänge in der Winterlandschaft. Prioritäten hatten sich verändert und ich war mir nicht sicher, ob es an uns als Familie lag oder ob es ein gesellschaftliches Phänomen war. Vor meinem Abflug hatte ich mit Arthur gestritten, weil ich beim besten Willen nicht einsah, dass er beiden Kindern ein neues Smartphone versprochen hatte. „Dorothee, das ist eben heute so. Die brauchen das, um dazu zu gehören“, hatte er mich eines Abends beim Zubettgehen belehrt. „Wir können uns das doch leisten“.

Ich fühlte mich missverstanden und war auch enttäuscht von Arthur, denn darum ging es mir nicht. Ich spürte mit jedem Tag mehr, wie mich solche endlosen Diskussionen nervten. Ich erbat mir eines Abends eine Auszeit von der Familie und Raum nur für mich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung, was und wie und wohin. 

 

Demnächst geht es weiter bei BeFifty mit "Was blaue Pariser und graue Moskauer mit meinem Mann zu tun haben"

 

Die Lieblingslooks einer Stylistin -19-

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Coming soon: Dorothee D.